Feindbild Russland

Georg Friedmann (Gründer und Vorsitzender des bekannten US-Thinktank Stratfort im Februar 2015)

«Das Hauptinteresse der US-Außenpolitik während des letzten Jahrhunderts, im Ersten und Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland . Weil vereint sind sie die einzige Macht, die uns bedrohen kann. Unser Hauptinteresse galt sicherzustellen, dass dieser Fall nicht eintritt.»
https://www.youtube.com/watch?v=cK54Xp6efw0

In der öffentlichen Wahrnehmung soll offensichtlich zur Zeit der Eindruck erweckt werden, dass es sich bei Vladimir Putin um einen gewaltbereiten und machtgierigen Politiker handelt, der im eigenen Land ein diktatorisches Regime führt und vor dessen Außenpolitik seine Nachbarländer Angst haben müssen. Aber auch auf die Gefahr hin, als sogenannter „Putin-Versteher“ beschimpft zu werden, finde ich diese aktuelle Argumentation nicht fair und auch nicht ehrlich.

Sicherlich gibt es immer noch berechtigte Kritikpunkte an der aktuellen Lage in Russland (Korruption, eingeschränkte Pressefreiheit etc.). Doch ob es Russland heute ohne Putin besser gehen würde darf doch stark bezweifelt werden. Die große Zustimmung, die er auch bei unabhängigen Umfragen in der Bevölkerung hat kommt nicht von ungefähr. Er hat bei seinem Amtsantritt ein Land übernommen, das durch den Zerfall der Sowjetunion und der Misswirtschaft und Ausbeutung des Volkseigentums sowie des darauf folgenden wirtschaftlichen Niedergangs unter der Jelzin-Regierung von 1991-1999 wirtschaftlich am Boden lag und dessen Bevölkerung mit Ausnahme einiger Profiteure, die sich damals am Volkseigentum bereichern konnten, total verelendet war.

Seit Putin im Jahr 2000 an die Macht kam ging es wirtschaftlich und sozial wieder stark aufwärts. Beispielhaft sei hier nur das enorm gestiegene Bruttoinlandsprodukt (2000 ca. 260 Mrd. $ 2012 ca. 2000 Mrd. $), der stark gestiegene Reallohn, die höheren Renten und die abgebaute Staatsverschuldung.
Die Sanktionen, die aufgrund des Ukraine-Konfliktes und der Krim-Krise gegen Russland verhängt wurden, sowie der Ölpreisverfall haben jetzt allerdings dafür gesorgt, dass die positve Entwicklung in Russland unterbrochen wurde.

Auch die immer wieder aufkommenden Vorwürfe wegen der Kriege gegen die Tschetschenen und gegen Georgien sind für mich nur schwer nachvollziehbar. Ich bin der Letzte, der Kriege gutheißen will. Doch wer in diesen Konflikten die alleinige Schuld bei Russland sucht sollte sich vielleicht erst mal mit den Hintergründen dieser Kriege (wie z. B. den Terroranschlägen der tschetschenischen „Rebellen und die Vertreibung der „Nicht-Islamischen Bevölkerung aus Tschetschenien oder den Einmarsch georgischer Truppen in Südossetien der den Krieg in Georgien auslöste) beschäftigen.

In Tschetschenien rissen intensiv aus dem Ausland unterstützte islamistischen Gruppierungen die Macht an sich. Der 1997 noch demokratisch gewählte Präsident Aslan Maschadow musste schon bald einwilligen, die Schari’a einzuführen. Dem Aufbau der staatlichen Exekutivstrukturen widersetzten sich kriminelle Clans. Bis zum Jahr 1999 verwandelte sich Tschetschenien auf diese Weise in ein sicheres Rückzugsgebiet für Mitglieder mafiaähnlicher Vereinigungen, die im ganzen GUS-Raum operierten. Parallel dazu fanden eine erzwungene Islamisierung des öffentlichen Lebens, Übergriffe auf nicht-muslimische Minderheiten und ihr Exodus statt.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Tschetschenienkrieg

Außerdem finde es auch in Anbetracht unserer Vergangenheit (immerhin ist es gerade mal 60 Jahre her, dass wir uns verantwortlich für den Tod von ca. 28 Millionen Russen gemacht haben) nicht angebracht jetzt Russland unter der Regierung von Wladimir Putin in dieser Form zu dämonisieren.

Denn erstens hat sich in Russland seit den Zeiten des Stalin-Regimes doch einiges in Bezug auf Freiheit und Menschenrechte getan und zweitens gibt es mittlerweile auch mit Sicherheit einige ernsthafte Kritikpunkte an der Politik der EU und der USA. Dazu gehört unter anderem auch die Einmischung in die Politik von anderen Ländern (wie es momentan auch gerade wieder in der Ukraine passiert). Aber auch die NSA-Affäre oder die Drohnenangriffe gegen „Terrorverdächtige“ in Pakistan und im Jemen, bei denen auch immer wieder Zivilisten sterben, könnten theoretisch auch ein Grund für Sanktionen sein 😉

Rede von Putin im deutschen Bundestag auf deutsch 2001 für eine Vereinigung von Europa und Russland
„Niemand bezweifelt den großen Wert der Beziehungen Europas zu den Vereinigten Staaten. Aber ich bin der Meinung, dass Europa seinen Ruf als mächtiger und selbstständiger Mittelpunkt der Weltpolitik langfristig nur festigen wird, wenn es seine eigenen Möglichkeiten mit den russischen menschlichen, territorialen und Naturressourcen sowie mit den Wirtschafts-, Kultur- und Verteidigungspotenzialen Russlands vereinigen wird.
..
Die ersten Schritte in diese Richtung haben wir schon gemeinsam gemacht. Jetzt ist es an der Zeit, daran zu denken, was zu tun ist, damit das einheitliche und sichere Europa zum Vorboten einer einheitlichen und sicheren Welt wird.“
Die Welt befindet sich in einer neuen Etappe ihrer Entwicklung. Wir verstehen: Ohne eine moderne, dauerhafte und standfeste internationale Sicherheitsarchitektur schaffen wir auf diesem Kontinent nie ein Vertrauensklima und ohne dieses Vertrauensklima ist kein einheitliches Großeuropa möglich. Heute sind wir verpflichtet, zu sagen, dass wir uns von unseren Stereotypen und Ambitionen trennen sollten, um die Sicherheit der Bevölkerung Europas und die der ganzen Welt zusammen zu gewährleisten.
..
Zum Schluss will ich die Aussagen, mit denen Deutschland und seine Hauptstadt vor einiger Zeit charakterisiert wurden, auf Russland beziehen: Wir sind natürlich am Anfang des Aufbaus einer demokratischen Gesellschaft und einer Marktwirtschaft. Auf diesem Wege haben wir viele Hürden und Hindernisse zu überwinden. Aber abgesehen von den objektiven Problemen und trotz mancher – ganz aufrichtig und ehrlich gesagt – Ungeschicktheit schlägt unter allem das starke und lebendige Herz Russlands, welches für eine vollwertige Zusammenarbeit und Partnerschaft geöffnet ist.
Putins Rede 2007 Münchner Sicherheitskonferenz

Einseitige, oft nicht legitime Handlungen haben nicht ein einziges Problem gelöst. Vielmehr waren sie Ausgangspunkt neuer menschlicher Tragödien und Spannungsherde. Urteilen Sie selbst: Die Kriege, die lokalen und regionalen Konflikte sind nicht weniger geworden. Herr Teltschik hat ganz leicht daran erinnert. Und es sterben nicht weniger Menschen bei diesen Konflikten als früher, sondern sogar mehr. Bedeutend mehr!

Heute beobachten wir eine fast unbegrenzte, hypertrophierte Anwendung von Gewalt –militärischer Gewalt – in den internationalen Beziehungen, einer Gewalt, welche eine Sturmflut aufeinander folgender Konflikte in der Welt auslöst. Im Ergebnis reichen dann nicht die Kräfte für eine komplexe Lösung wenigstens eines dieser Konflikte. Eine politische Lösung ist ebenfalls unmöglich.

 

Wir sehen eine immer stärkere Nichtbeachtung grundlegender Prinzipien des Völkerrechts. Mehr noch – bestimmte Normen, ja eigentlich fast das gesamte Rechtssystem eines Staates, vor allem, natürlich, der Vereinigten Staaten, hat seine Grenzen in allen Sphären überschritten: sowohl in der Wirtschaft, der Politik und im humanitären Bereich wird es anderen Staaten übergestülpt. Nun, wem gefällt das schon?
..

In diesem Zusammenhang gestatte ich mir eine kleine Anmerkung. Man muss uns kaum dazu ermuntern oder drängen. Russland ist ein Land mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte und fast immer hatte es das Privileg, eine unabhängige Außenpolitik führen zu können.

 

Wir werden an dieser Tradition auch heute nichts ändern. Dabei sehen wir sehr genau, wie sich die Welt verändert hat, schätzen realistisch unsere eigenen Möglichkeiten und unser Potenzial ein. Und natürlich möchten wir gerne mit verantwortungsvollen und ebenfalls selbstständigen Partnern zusammenarbeiten am Aufbau einer gerechten und demokratischen Welt, in der Sicherheit und Aufblühen nicht nur für Auserwählte, sondern für alle gewährleistet ist.
Rede von Mahias Platzeck Feb. 2017
..
Die Europäische Union, wenn sie denn überhaupt zusammenhält,
was ich mit sehr wünsche, könnte Gefahr laufen, am Ende im
Kontext der Beziehungen in der Welt recht allein da zustehen:
Wenn nämlich die Vereinigten Staaten einen isolatio nistischen Kurs
verfolgen und Russland sich – was durch die Sanktionen des
Westens derzeit noch befördert wird – stärker nach China und
überhaupt nach Asien orientiert. Ich hielte das für eine fatale
Entwicklung.
Angesichts dieser sehr schwierigen Lage sollten wir in Europa alles
daran setzen, unser Verhältnis zu Russland zu entspannen und zu
verbessern.
Wir sollten auch in Erwägung ziehen, dafür in Vorleistung zu treten
und beginnen, einseitig Sanktionen abzubauen. Auch das kann
dazu beitragen, Bewegung in die festgefahrene Situation auf dem
Kontinent zu bringen.
Das Potenzial der Beziehungen ist gigantisch, mit Chancen und
Vorteilen für beide Seiten – ich habe das bereits gesagt.
Unabdingbare Voraussetzung aber für die Kooperation ist eine
Sicherheitsordnung auf dem europäischen Kontinent, in die
Russland als gleichberechtigter Partner eingebunden ist.
Denn ohne oder gar gegen Russland – auch hier wiederhole ich mich – wird es keine Stabilität und keine Sicherheit in Europa geben.

 

Peter Scholl Latour – Russland im Zangengriff
https://www.youtube.com/watch?v=2DstVufWpRg

Russland Pro und Contra
Quelle: http://www.objectivemind.org/politik/russland/putins-erste-praesidentschaften/

Im Moment sehen die Medien im Westen und die russische Opposition weitere Amtszeiten von Putin als eine Stagnation der Verhältnisse, die einen demokratischen Wandel Russlands behindern. An dem Politiker Putin schieden sich schon immer die Geister, sowohl in Russland als auch im Ausland. Trotz allem war er stets einer der beliebtesten Politiker Russlands – auch heute noch. Selbst die Proteste, welche seit den Dumawahlen 2011 die Berichterstattung über Russland beherrschen, können nicht darüber hinweg täuschen. Am Ende zählen jedoch seine Handlungen, nicht sein Ruf. Ein Überblick über seine zwei Amtszeiten hier im Pro & Contra.

Das politische System

Pro: Putin beendete den destruktiven Pluralismus der 1990er Jahre. Er schaffte stabile politische Verhältnisse, welche die notwendige Voraussetzung für positive Entwicklungen in der Wirtschaft sowie der Gesellschaft sind. Die Gouverneure können sich nicht mehr in die föderale Politik einmischen oder gar eine eigene Außen- und Handelspolitik betreiben. Die Novellierung des Parteien- und Wahlgesetzes sorgte dafür, dass die russischen Parteien besser im gesamten Land und in der Gesamtgesellschaft verankert sind, da die Gesetze mehr Mitglieder in mehr Regionen vorschreiben. Außerdem ist die Politik stärker gegen die Oligarchen abgeschottet worden, die unter seinem Vorgänger Boris Jelzin aus Russland einen Selbstbedienungsladen gemacht haben, um sich auf Kosten der Bevölkerung sowie des Staates zu bereichern.

Contra: Das politische System wurde unter Putin undemokratischer. Wer in Russland mitreden oder mitregieren will, der muss vor den Wahlen nicht die Bürger überzeugen, sondern sich mit dem Kreml arrangieren. Der politische Wettbewerb existiert praktisch nicht mehr, zudem dienen die Wahlen nur noch dazu, die Politik des Kremls per Akklamation zu bestätigen. Auch auf regionaler Ebene werden Bürger vom politischen Prozess ausgeschlossen: Anstatt ihre Gouverneure direkt zu wählen, schlägt der Kreml der regionalen Duma einen Kandidaten vor.

Die Wirtschaft

Pro: Russland hat sich in den acht Jahren unter Putins Führung nicht einzig wirtschaftlich vom Zusammenbruch der Sowjetunion sowie von der Finanzkrise 1998 erholt. Bis heute schloss es mit seinem Wirtschaftswachstum immer weiter zum Westen auf. Die Rohstoffeinnahmen werden seit dem intelligent genutzt. Neben einem Reservefonds für Krisenzeiten verwendet das Land einen weiteren Teil der Einnahmen für Investitionen außerhalb des Energiesektors. Er floss in den Wohnungsbau sowie in die High-Tech-Branche und beglich die Auslandsschulden des Staates. Dies zahlte sich im Zuge der globalen Finanzkrise 2008 aus. Ohne derlei Rücklagen wären die Folgen der Krise verheerender gewesen.

Contra: Russland ist noch immer abhängig von Rohstoffexporten, wie Öl oder Erdgas. Russische Fertigwaren, welche exportiert werden können oder High-Tech-Produkte, existieren nicht. Die Investitionen haben bisher nichts gebracht. Eine neue, bessere wirtschaftliche Grundlage wurde damit nicht geschaffen. Die Modernisierung der Wirtschaft kommt nicht voran. Sie wird in nahezu allen Bereichen weiterhin von Industrieanlagen aus der Sowjetzeit dominiert. Das Klima für notwendige ausländische Investitionen verbesserte sich nicht wesentlich, hinzu kommen immer wieder hohe Kapitalabflüsse. Putin schaffte es in seinen ersten beiden Präsidentschaften nicht, die ausländischen Investitionen zu diversifizieren; ungefähr die Hälfte fließt bis heute in den Energie- oder Rohstoffsektor. Die jährliche Inflation liegt weiterhin bei weit über sieben Prozent.

Gesellschaft / Soziales

Pro: Der Lebensstandard der russischen Bevölkerung ist unter Putin deutlich gestiegen. Damit hat er maßgeblich dazu beigetragen eine Mittelschicht zu schaffen. Von dem Wirtschaftswachstum profitierten nicht nur die Unternehmen, sondern gleichsam die Bürger.

Contra: Die Gesellschaft wurde entmündigt. NGOs ebenso wie Bürgerbewegungen haben es seither schwer, sich sowohl gegen korrupte Beamte als auch gegen korrupte Politiker zu wehren, insbesondere auf der lokalen und regionalen Ebene. Die Gewalt gegen Journalisten sowie NGOs hat eine Atmosphäre der Angst geschaffen. Eine Demonstration durchzuführen hängt vom Wohlwollen der Behörden ab, nicht von dem verfassungsmäßigen Recht der Bürger. Die Bürgerrechte sind damit de facto eingeschränkt. Putin unternahm auch nichts gegen den aufkeimenden Nationalismus im Land, der inzwischen nicht nur die Mitte der Gesellschaft erreicht hat, sondern sich auch in Gewalt gegen Menschen aus dem Kaukasus und Zentralasien äußert.

Die Korruption

Pro: Der höhere Lebensstandard der Menschen sowie die Gehaltserhöhungen von Beamten haben die Korruption erschwert, schließlich stiegen damit die Bestechungssummen. Seit Putins Amtszeiten werden immer mehr Korruptionsfälle registriert, anstatt im Verborgenen zu bleiben. Die Reformversuche haben gezeigt, wie komplex die Korruptionsbekämpfung in Russland ist – unabhängig von der Macht des Präsidenten. Einfache Lösungen sind unmöglich, es funktioniert einzig Schritt für Schritt über einen langen Zeitraum, da die Korruption alle staatlichen Institutionen betrifft.

Contra: Putin hat die Korruption nie ernsthaft bekämpft. Alle Maßnahmen, wie die versuchte Reform des Justizministeriums, waren im Prinzip ein Fehlschlag. Die Korruption setzt sich in allen Bereichen fort: Nicht nur in der Politik oder in der Bürokratie, sondern ebenso im Gesundheitswesen, im Bildungswesen oder in der Justiz. Das Justizministerium und das Innenministerium sind damit beauftragt die Korruption zu bekämpfen. Beide belegen jedoch weiterhin den Spitzenplatz unter den korrupten Behörden. Daran änderten Putins Präsidentschaftsjahre nichts.

Der Tschetschenien-Krieg

Pro: Ein großer Erfolg war für Putin sicherlich das Ende des Bürgerkrieges in Tschetschenien. Darüber hinaus schuf er wichtige Voraussetzungen, um die Konfliktlage langfristig verbessern zu können. Mit Ramsan Kadyrow an der Spitze gibt es wieder eine Staatsgewalt in Tschetschenien anstatt mehrerer militanter Gruppen, die sich gegeneinander bekämpfen und das Land mit einer Decke der Gewalt überziehen. Nach dem Anschlag auf die Schule in Beslan fand in der russischen Führung ein Umdenken statt. Anstatt den Konflikt rein militärisch zu lösen, wurden erstmals andere Lösungswege gegangen. Investitionen in die Infrastruktur Tschetscheniens sollten dabei helfen, die sozialen Ursachen des Konfliktes aktiv zu bekämpfen. Die Lage ist alles andere als perfekt, allerdings verbesserte sie sich wesentlich.

Contra: Die Lage ist in Tschetschenien sicherlich besser als in einem aktiven Bürgerkrieg, aber die Extremisten und militanten Gruppen wurden weder verhaftet noch entwaffnet. Sie wurden meist in die Nachbarrepubliken gedrängt, wo sich die Anschläge inzwischen häufen. Die Gewalt hat sich lediglich verlagert. Die Gelder, welche Moskau nach Tschetschenien transferiert, kommen bei der Bevölkerung kaum an. Korrupte Beamte vor Ort sowie Kadyrow und sein Klan sollen die meisten Gelder für sich selbst abzweigen. Sowohl Anschläge als auch Entführungen haben zwar abgenommen, jedoch ist die Sicherheitslage weiterhin schlecht. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass der zweite Tschetschenien Krieg unter Putin begann und er eine politische Mitverantwortung für die herrschenden Verhältnisse trägt, allerdings ebenso für die Toten des Bürgerkrieges.

Russische Entwicklung seit 1990

Das Bruttoinlandsprodukt Russlands stieg um 96,7%,

Der Außenhandel wuchs um 332%, die Handelsbilanz um 150%, während ausländische Investitionen um ganze 952% anzogen.

Die Außenschulden sanken um -83,3% und die Inflation ging im Vergleich zum Jahr 2000 um -56,5% zurück.

Die Industrieproduktion wuchs um 47%, die Löhne stiegen indes um 142% und die Renten gar um 231%.

Der Einzelhandel wuchs um 156% während die Armutsrate mit -56,6% und die Arbeitslosigkeit mit -29,2% sanken.

Die Geburten in Russland nahmen um 41,3% zu, während die Sterbefälle um -8,7% abnahmen.

Die natürliche Bevölkerungsabnahme ging um -74,9% zurück und die Säuglingssterblichkeit um -30,6%.

Die Lebenserwartung stieg um +3,7 Jahre und die Anzahl der Verbrechen sank um -10,9%.

Zu guter Letzt reduzierten sich die Anzahl Morde um -50,9%, die Alkoholvergiftungen um -61,3% und die Selbstmorde um -41,5%.

Ist ein Russland ohne Putin wirklich besser? (http://farafonow.com/wordpress/?p=141)

Im Jahre 1991, hat die Sowjetunion ihre völkerrechtliche Existenz aufgegeben. Es war die Geburtsstunde des neuen Russlands. Ein Russland, das frei und demokratisch ist. Das russische Volk war voller Hoffnungen. Es schien, als stünde Russland vor einer hellen und glücklichen Zukunft.

Doch es kam anders. Die Würde des Staates wurde in Stücke gerissen, Panzer beschossen im Oktober 1993 das Parlament, das Land ist um ein Haar an einem schweren Bürgerkrieg vorbei geschlittert, in Wirtschaft und Gesellschaft herrschte Zerfall und Demontage. Armut und Hunger griffen um sich, während die Banditen und Oligarchen ihre Taschen reich befüllten. Die Regierung wurde verkauft und gekauft. Die Ernennung von Ministern wurde aus Washington diktiert. Der russische Präsident Boris Jelzin trank vor den Kameras Wodka und dirigierte im angetrunkenen Zustand ein Orchester.

Zu Beginn der 2000er Jahre lag Russland im Koma. Man kann sagen, dass Russland bis dahin nicht existierte. Der Staat war bankrott, und jedes Jahr verließen 200.000 Menschen das Land. Die verbliebenen Bürger schämten sich für ihr Land. Die Auslandsschulden betrugen über 150 Milliarden Euro, was 158 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt ausmachte. 10 Millionen Menschen hatten keine Arbeit. Das monatliche Durchschnittseinkommen betrug 60 Euro, die monatliche Durchschnittsrente nicht einmal 20 Euro. Russland wurde weltweiter Spitzenreiter bei Abtreibungen, Selbstmorden und tödlichen Alkoholvergiftungen. 1998 betrug die Geburtenrate gerade mal 0,8 Kinder pro Frau (1988: 2,0 Kinder pro Frau). Die Sterberate war doppelt so hoch wie die Geburtenrate. Der natürliche, migrationsbereinigte Bevölkerungsverlust betrug knapp eine Million Menschen pro Jahr. Zehntausende Dörfer verschwanden von der Landkarte.

Russland schoss keine Raketen mehr in den Weltraum, baute keine Fabriken und schrieb keine Bücher. Beinahe haben die Russen ihr Land verloren und ihre Kinder ohne Heimat gelassen. Die Russen tranken Tequila und schauten amerikanische Filme, doch die eigene Kultur blieb auf der Strecke. Träume, Ziele und Wünsche wurden durch Wodka und Drogen eingetauscht.

Auch bei der Kriegsführung schnitt Russland katastrophal ab. 30.000 tschetschenische Freischärler wollten einen Islamistenstaat am Kaukasus schaffen. Die russischen Streitkräfte wurden zum Kampf gegen die Islamisten mobilisiert, doch mussten sich nach einer herben Niederlage 1995 ergeben. Der islamistische Terror grassierte durch das Land und forderte viele unschuldige Opfer. Die Regierung war vor lauter Angst schlichtweg paralysiert.

Russlands Präsident Boris Jelzin verkündete bei seiner Neujahrsansprache am 31. Dezember 1999: “Ich bin müde, ich reiche meinen Rücktritt ein.”

Und dann kam Wladimir Putin. Eine junge und bis dato wenig bekannte Persönlichkeit. Doch schnell wurde Putin zu der letzten Hoffnung Russlands.

Zusammen mit Putin an der Staatsspitze hat Russland das Unmögliche möglich gemacht. Allmählich geriet der Mechanismus in Fahrt und die Zeiger an der Uhr der russischen Geschichte bewegten sich wieder.

Der Tschetschenienkrieg wurde von den russischen Streitkräften gewonnen und die Ordnung in Tschetschenien wiederhergestellt. Wiederhergestellt wurde auch die Einheit Russlands, indem der regionale Separatismus eingedämmt wurde. Es gab keine regionalen Zölle mehr und keine lokalen Politiker, die eigenmächtig verfassungswidrige Gesetze beschlossen.

Die Russen wussten wieder, was es heißt zu arbeiten und gut zu verdienen. Im Jahr 1998 hatte die Mittelschicht einen Anteil von 5 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Im Jahr 2012 konnte man bereits ein Drittel der Bevölkerung der neuen Mittelschicht zuordnen.

Im Jahr 1998 lebten 50 Prozent der Russen unterhalb des nationalen Existenzminimums. Im Jahr 2006 war dieser Anteil bereits halbiert. Im Jahr 2012 waren es nur noch 12 Prozent Arme.

Das Durchschnittsgehalt stieg von 60 Euro monatlich (1998) auf knapp 700 Euro monatlich (Prognose 2013). Im selben Zeitraum stieg die Durchschnittsrente von 20 auf 350 Euro monatlich. Die Preise stiegen dabei um das 3,5-fache.

Russland wurde von einem überschuldeten zu einem schuldenfreien Land. Während 1998 die Verschuldung 158 Prozent des BIP betrug, beträgt diese heute nur noch 9 Prozent, was als faktische Schuldenfreiheit anzusehen ist.

Russland stieg zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Erde auf (1998: 36-größte) und wächst weiter. Im Zeitaum 1998-2013 hatte die Industrieproduktion einen Zuwachs von 175 Prozent(!).

Im Jahr 2012 wurden in Russland 1,9 Millionen Kinder geboren. Das sind 700.000 mehr als im Jahr 1998. Der jährliche, natürliche Bevölkerungsverlust pro Jahr, der 1998 eine Million Menschen betrug, reduzierte sich 2007 auf 280.000 Menschen. Im Jahr 2012 hatte Russlands erstmals seit Zerfall der Sowjetunion ein leichtes Bevölkerungswachstum. Die Geburtenrate stieg von 0,8 auf 1,7 Kinder pro Frau.

Die Russen leben wieder länger. Die Lebenserwartung eines Mannes, die 1998 katastrophale 57 Jahre betrug, stieg 2013 auf 66 Jahre und überstieg damit die männliche Lebenserwartung zu Sowjetzeiten.

Die Massenflucht aus Russland wurde stark verkürzt. Heute verlassen keine 200.000 Menschen pro Jahr mehr das Land. 2011 verließen nur noch 33.000 Russen das Land, von diesen waren 8o-90 Prozent tschetschenische Asylsuchende, die nach Westeuropa und Nordamerika gingen. Es immigrieren sogar auch einige EU- und USA-Bürger nach Russland. Im Jahr 2012 ließen sich 3.000 Menschen aus den EU-Staaten und den USA in Russland einbürgern, darunter der bekannte französische Schauspieler Gérard Depardieu. Auch die Migration aus dem schwer krisengebeutelten Griechenland führt mittlerweile nicht selten nach Russland.

In Russland wird weniger Alkohol getrunken als in den 1990er Jahren. Der Sport- und Nüchternheitskult setzt sich vermehrt durch. Während 1998 sich nur neun Prozent der Russen als Antialkoholiker bezeichneten, beträgt dieser Anteil heute 24 Prozent. Während jeder Russe 1998 im Schnitt 20 Liter reinen Alkohol getrunken hat, war es 2012 nur noch 14 Liter (Vergleich: Ein Deutscher trinkt pro Jahr 12 Liter reinen Alkohol).

Heute, im Jahr 2013, haben die Russen ihren Glauben an ihr Land wiedergefunden und glauben wieder an eine Zukunft in Russland. Russland ist wieder dazu in der Lage, solche internationalen Großereignisse wie die Olympischen Winterspiele 2014 oder die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 auszurichten.

Russland ist reifer geworden, die Lebensqualität hat sich deutlich verbessert. Zwar gibt es nach wie vor noch zahlreiche Probleme, doch die Zukunft macht Hoffnung. Putin hat als einstiger Hoffnungsträger nicht enttäuscht, und er bleibt auch weiterhin der Hoffnungsträger aller Russen, weswegen ihn bis heute 60 bis 65 Prozent der Bevölkerung voll unterstützen.

Und, sind Sie immer noch dafür, dass Russland in die 1990er Jahre zurück verfällt?

http://farafonow.com/wordpress/?p=141

Advertisements

Autor: Realitätsverkenner

Politisch interessiert, frustriert und nahezu desillusioniert sehe ich viele Dinge ganz anders, als sie in unseren Medien dargestellt werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s